Unverzichtbare Ökosysteme

Wie wichtig sind unsere Ozeane und was tun wir, um sie zu schützen? Ein Gespräch mit der Maritimen Botschafterin Deutschlands, Monika Breuch-Moritz.

Monika Breuch-Moritz ist die Maritime Botschafterin Deutschlands.
Monika Breuch-Moritz ist die Maritime Botschafterin Deutschlands. picture alliance / dpa

Klimawandel, Überfischung und Plastikmüll bedrohen die Ozeane. Dabei sind sie Lebensräume von zahlreichen Tieren und Pflanzen und eine wichtige Nahrungsquelle für Millionen von Menschen. Monika Breuch-Moritz weiß, wie wichtig die Meere für das globale Ökosystem sind. Seit den 1990er-Jahren widmet sich die Meteorologin der Ozeanforschung, seit 2017 ist sie Vize-Präsidentin bei der Zwischenstaatlichen Ozeanographischen Kommission der UNESCO (IOC) und Maritime Botschafterin für Deutschland.

Frau Breuch-Moritz, was fasziniert Sie an unseren Meeren?

Mein Vater hat mich mit seiner Leidenschaft für Schiffe und Meer schon früh angesteckt. Naturwissenschaften – alles zu Meeren, Weltall, Klimawandel und Natur – haben mich immer begeistert. Deshalb habe ich gern Verantwortung für den maritimen Umweltschutz übernommen.

Seit 2017 arbeiten Sie bei der IOC. Was sind die Aufgaben der Kommission?

Die IOC kümmert sich um Meereswissenschaften. Sie koordiniert weltweit Programme, zum Beispiel zur Warnung vor Tsunamis, oder installiert Beobachtungssysteme und Messnetze im Ozean, mit denen Klimaveränderungen oder Meeresströmungen erforscht werden können.

Wie sieht dabei die Rolle Deutschlands aus?

Deutschland ist seit der Gründung der IOC 1961 durchgehend im Exekutivrat vertreten und nach Japan und China der drittgrößte Beitragszahler. Als Vizevorsitzende hatte ich schon zwei deutsche Vorgänger. Fachlich engagiert Deutschland sich vor allem im Bereich der langfristigen Beobachtungssysteme und hat unter anderem den Aufbau eines Tsunami-Warnsystems im indischen Ozean maßgeblich unterstützt. Zudem kooperieren die deutschen Meeresforschungseinrichtungen mit vielen anderen Staaten in wissenschaftlichen Projekten.

Der Klimawandel sorgt dafür, dass die Ozeane immer wärmer werden. Welche Auswirkungen hat das auf die Gesundheit der Meere?

Mit dem Anstieg der Wassertemperaturen verändern sich Meeresströmungen und die Lebensräume vieler Arten. Werden bestimmte Temperaturgrenzen überschritten, können beispielsweise Korallenriffe großflächig absterben oder ursprünglich nicht heimische Organismen bis hin zu Krankheitserregern finden in ungewohnten – weil früher kälterer – Umgebungen auf einmal beste Bedingungen, um sich zu vermehren.

Wie wichtig ist überhaupt die biologische Vielfalt der Ozeane?

Korallenriffe und Küstenvegetationsgebiete sind unverzichtbare Ökosysteme. Sie schützen die Küsten vor Naturgefahren wie Tsunamis, tropischen Wirbelstürmen oder den Folgen des Meeresspiegelanstiegs. Zudem sind sie der Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Für die Ernährung der weiter wachsenden Weltbevölkerung sind der Erhalt dieser Lebensräume und eine entsprechend schonende Fischerei unbedingt notwendig. Die Küstenvegetation ist aber auch ein sehr wirkungsvoller CO2-Speicher. Erste Länder nutzen dies und forsten die wichtigen Mangrovenwälder wieder auf. So profitieren sie vom Emissionshandel durch Kooperation mit westlichen Staaten oder Firmen – eine echte Win-Win-Situation.

Wie fördert Deutschland eine nachhaltige Bewirtschaftung der Meere?

Das Engagement reicht von der Unterstützung der Einrichtung von Schutzgebieten, über die Förderung nachhaltiger Fischerei bis zur Implementierung von stringenten Umweltschutzvorschriften im Tiefseebergbau. Deutschland unterstützt auch Projekte zum Erhalt und Wiederaufbau von Mangrovenwäldern. Diese und andere Küstenvegetationen sind für den Schutz der Küsten in vielen Ländern lebensnotwendig.

Welchen Themen sind für die deutsche IOC momentan besonders wichtig?

Die Erarbeitung sinnvoller deutscher Beiträge und Kooperationen – ob zu Meeresmüll, Korallen, CO2-Speicherung oder Küstenschutz – werden in den nächsten Jahren den Schwerpunkt bilden. Deutschland wird seine Expertise und seine hochentwickelte Forschungsinfrastruktur einbringen, um an Lösungen für die anstehenden großen Herausforderungen der Menschheit mitzuwirken.

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