„Das Kapital der heutigen Wirtschaft“

Warum ist Diversity für den Erfolg von Unternehmen entscheidend? Vordenkerin Aletta von Hardenberg hat überzeugende Argumente.

Diversity: Gemischte Teams sind erfolgreicher.
Diversity: Gemischte Teams sind erfolgreicher. Rawpixel Ltd.

Aletta Gräfin von Hardenberg ist seit 2011 Geschäftsführerin der Charta der Vielfalt, dem größten Netzwerk von Unternehmen und Institutionen im Bereich Diversity. Zuvor war sie als Direktorin bei der Deutschen Bank verantwortlich für das Diversity-Management in Deutschland.

Aletta Gräfin von Hardenberg
Aletta Gräfin von Hardenberg Andreas Krone

Frau von Hardenberg, unter dem Druck der demografischen Entwicklung kommt Diversity in Unternehmen eine immer größere Bedeutung zu. Ist das Thema aus der Not geboren?
Nein, das Thema ist aus der Einsicht geboren, dass Unternehmen und Institutionen erfolgreicher und besser sind, wenn Sie Vielfalt als Organisationskultur leben, ihre internen Prozesse überprüfen und vielfältige Teams einsetzen. Das galt schon lange vor den aktuellen Herausforderungen der Demografie. Die demografische Entwicklung bringt Diversity allerdings jetzt mehr Aufmerksamkeit.

Deutschland ist heute so vielfältig wie niemals zuvor.

Aletta von Hardenberg, Geschäftsführerin der Charta der Vielfalt

Lässt sich denn messen, dass gemischte Teams bessere Lösungen finden?
Es gibt diverse Studien, die dies belegen. Beispielsweise unsere eigene Studie „Diversity in Deutschland“, die wir anlässlich unseres zehnjährigen Bestehens gemeinsam mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY veröffentlicht haben. Aber es reicht folgende Einsicht: Deutschland ist heute so vielfältig wie niemals zuvor – egal in welcher Dimension wir diese Vielfalt denken: ethnische Herkunft, geschlechtliche Identität, Religion und Weltanschauung, sichtbare und unsichtbare Beeinträchtigungen und so weiter. Wenn Sie diesen Markt bedienen wollen, müssen Sie diese Vielfalt mitdenken und einbinden.

Könnten Sie ein Beispiel aus der deutschen Wirtschaft nennen?
Ich denke beispielsweise an Auswahlprozesse für Bewerber und Bewerberinnen. Viele Organisationen haben diese modifiziert und von Stereotypen befreit. Die Deutsche Telekom beispielsweise setzt auf ein talentorientiertes Auswahlverfahren für Auszubildende: Nicht der Notendurchschnitt ist entscheidend, sondern die für den jeweiligen Ausbildungs- oder Studiengang relevanten Talente, Stärken und Interessen. In einem Qualifizierungsverfahren können Jugendliche, deren Perspektiven aufgrund von Lernbeeinträchtigungen oder fehlender Ausbildungsreife stark eingeschränkt sind, in einem Praktikum ihr Talent beweisen. Wer im Verfahren erfolgreich abschneidet, kann direkt mit einer Ausbildung bei der Deutschen Telekom starten.

Mit der Charta der Vielfalt setzen Sie sich seit 2006 für Diversity ein. Wie viele Unterzeichner konnten Sie seitdem gewinnen?
Inzwischen haben über 3.100 Unternehmen und Institutionen die Charta der Vielfalt unterzeichnet und wir bekommen laufend neue Anfragen. Wir sind das größte Netzwerk für Diversity und eine lebendige Plattform für das Thema Vielfalt. Wir sehen in Diversity nicht nur das Kapital der heutigen Wirtschaft, sondern auch einen Schlüssel zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Interview: Martin Orth

© www.deutschland.de

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