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„Du musst eine große Geschichte erzählen“

Das Berliner KI-Startup Parloa ist auf Erfolgskurs – und mittlerweile drei Milliarden US-Dollar wert. Co-Gründer Malte Kosub über Ambition und Resilienz. 

Interview: Axel Novak , 17.02.2026
Malte Kosub, Co-Gründer des Berliner KI-Startups Parloa
Malte Kosub, Co-Gründer des Berliner KI-Startups Parloa © Parloa

Herr Kosub, was macht einen guten Gründer aus? 

Erstens: sehr große Ambition. Wenn andere nicht sagen, „du bist crazy“, dann denkst du nicht groß genug. Zweitens: harte Arbeit. Wer global gewinnen will, muss Opfer bringen. Und drittens: Resilienz. Denn jeden Tag passieren Dinge, wieder ein Fehlschlag, ein Problem links und rechts. Ohne Resilienz hält man das nicht durch. 

Gibt es in Sachen Ambition in Deutschland und Europa Nachholbedarf? 

Ich habe auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos gesagt, dass ich eine 100-Milliarden-Dollar-Firma aus Deutschland bauen will. Da wirst du erst mal angeschaut wie ein Auto. In den USA heißt es dagegen: „Let’s go!“ Ziele schaffen Realität. Ohne große Ambition kommst du da nie hin. 

Wir zeigen, dass man in Europa Firmen bauen kann, die weltweit führend sind.
Malte Kosub, Co-Gründer Parloa

Kann man das lernen? 

Ja. Du musst an dich glauben und erleben, dass Dinge funktionieren. Bei mir war entscheidend: Ich war nie angestellt, ich war immer unternehmerisch tätig – seit meinem 16. Lebensjahr. Es ging immer darum, Teams zu bauen, Menschen zu überzeugen und eine große Geschichte zu erzählen. Das ist eine der wichtigsten Skills als Gründer. 

Parloa will mit einer Agentic-AI-Plattform den Kundenservice großer Unternehmen durch Künstliche Intelligenz revolutionieren. Das Startup hat seinen Hauptsitz in Berlin und mittlerweile rund 300 Beschäftigte. Im Januar 2026 schloss Parloa eine Finanzierungsrunde über 350 Millionen US-Dollar ab und erreicht damit eine Bewertung von drei Milliarden US-Dollar.    

Sind Sie schon mal gescheitert? 

Wir haben sieben Jahre bis zur ersten Finanzierungsrunde gebraucht. Da waren sehr harte Zeiten dabei. Wir waren kurz vorm Exodus und mussten selbst Geld in die Firma stecken. Von außen sieht das oft wie ein Bilderbuch aus. Aber der Weg ist deutlich unlinearer, als man denkt. 

Parloa ist ein deutsches Startup, aber seit 2024 auch in den USA präsent. Warum? 

Wenn man Weltmarktführer in Software werden will, muss man in die USA. Nur in Europa zu bleiben, reicht nicht, um global als Nummer eins wahrgenommen zu werden. Aber unsere Zentrale bleibt in Berlin. 

Liegt der Gang in die USA auch an Finanzierungen, die in Europa schwieriger sind? 

Ja. Das Kapital ist da, aber deutlich weniger als in den USA. Und die Qualität der Investoren in den USA ist nochmal anders. Im deutschen Ökosystem fehlt außerdem ein Katalysator wie Y Combinator. 

Der Risikokapitalgeber im Silicon Valley, der Startups in einer sehr frühen Phase unterstützt… 

Erfolgsgeschichten helfen jungen Startups, aber die müssen erst geschaffen werden. 

Was ist Ihr Ziel mit Parloa? 

Wir wollen Weltmarktführer werden. Und wir zeigen, dass man in Europa Firmen bauen kann, die weltweit führend sind.  

Zur Person: Malte Kosub

Malte Kosub, Jahrgang 1993, ist in Hamburg aufgewachsen und wollte zunächst Schifffahrtskaufmann werden. Nach Gründungen und Studium in Hamburg und Cambridge in den USA gründete er 2017 die Agentur „Future of Voice“, aus der 2018 Parloa hervorging.