Schäuble würdigt Ungarn

Der östliche Nachbar Deutschlands spielte bei der friedlichen Wiedervereinigung vor 30 Jahren eine tragende Rolle.

Schäuble würdigt Ungarn
dpa

Berlin (dpa) - Der deutsche Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat den Beitrag Ungarns zur deutschen Wiedervereinigung gewürdigt. Zum Beginn der Haushaltswoche im Bundestag erinnerte Schäuble am Dienstag daran, dass Ungarn vor 30 Jahren, am 10. September 1989, seine Grenze für die DDR-Flüchtlinge geöffnet habe.

«Die Grenzöffnung in Ungarn löste eine neue Dynamik aus. Zwei Monate später fiel die Berliner Mauer – das Symbol des Kalten Krieges. Wir Deutschen vergessen den mutigen Beitrag Ungarns zur Wiedervereinigung unseres Landes nicht», sagte Schäuble.

Er erinnerte zugleich an den Überfall Hitler-Deutschlands auf Polen, wodurch vor 80 Jahren der Zweite Weltkrieg ausgelöst wurde. «Polen wurde 1939 das erste Opfer eines historisch beispiellosen rassenideologischen Vernichtungsfeldzugs, von dem vor 80 Jahren noch niemand ahnen konnte, welche Ausmaße er annehmen würde. Der von Deutschland entfesselte Zweite Weltkrieg hinterließ einen zerstörten Kontinent und Narben, die noch immer schmerzen.»

Die Polen hätten am längsten unter der Besatzung durch die Wehrmacht, dem Terror von SS und Sicherheitsdienst gelitten, sagte Schäuble. «Sie erlebten die gezielte Ermordung ihrer intellektuellen Elite, die Verwüstung ganzer Landstriche, die völlige Zerstörung ihrer Hauptstadt Warschau, die Vernichtung jüdischen Lebens.» Der polnische Staat sei als Folge des Hitler-Stalin-Paktes unter zwei übermächtigen Nachbarn aufgeteilt und seiner Souveränität beraubt worden.

Als wichtigste Lehren aus dem «Zivilisationsbruch des Zweiten Weltkrieges» nannte Schäuble «den Erhalt des Friedens, den Schutz unseres zivilen Miteinanders, den Respekt vor dem Anderen, die Anerkennung seiner Freiheit, Unabhängigkeit und Würde.»

Die anspruchsvollste Antwort sei das zusammenwachsende Europa. «Es ist die Aufgabe von uns allen, aber gerade auch die der jungen Generation, die Idee eines vereinten Europas als Erbe des Krieges weiterzutragen, sie angesichts der Herausforderungen in einer gründlich veränderten Welt mit Leben zu füllen», sagte Schäuble.