Deutsch-polnisches Schulbuch

Außenminister Frank-Walter Steinmeier und sein polnischer Amtskollege Witold Waszczykowski haben in Berlin den ersten Band eines deutsch-polnischen Schulbuchs vorgestellt.

dpa/Klaus-Dietmar Gabbert - Deutsch-polnisches Schulbuch

Der Ort war eher alltäglich, das Projekt umso spektakulärer. Am 22. Juni 2016 präsentierten Außenminister Frank-Walter Steinmeier und sein polnischer Amtskollege Witold Waszczykowski gemeinsam mit dem brandenburgischen Bildungsminister Günter Baaske in der Aula der Berliner Robert-Jungk-Oberschule das Schulbuch „Europa. Unsere Geschichte“. Es ist das erste von Polen und Deutschen gemeinsam vorgelegte Lehrwerk für den Schulunterricht. Seit 2012 haben Historiker, Didaktiker und Autoren aus beiden Ländern die Inhalte erarbeitet. Jetzt liegt Band 1 der Schulbuchreihe druckfrisch in deutscher und polnischer Sprache vor – rechtzeitig zum 25-jährigen Jubiläum des Deutsch-Polnischen Nachbarschaftsvertrages.

„Ich finde es wunderbar, dass wir diese Präsentation gemeinsam absolvieren“, sagte Steinmeier in Richtung seines Amtskollegen. Der Besuch in der Berliner Schule, in der ein Viertel der Schüler auf Deutsch und Polnisch lernen, sei ihm nicht weniger wichtig als der Festakt zum Nachbarschaftsvertrag, der später im Kanzleramt stattfinden sollte. Für den polnischen Außenminister hat das Buch sowohl politischen Charakter als auch praktische Bedeutung. „Schüler lernen Geschichte aus der gemeinsamen Perspektive kennen“, sagt Waszczykowski. Das werde die Toleranz für die jeweiligen Sichtweisen stärken und helfen, Stereotype abzubauen.

Drei weitere Bände sind geplant

Bereits 2008 hatten sich die Regierungen Polens und Deutschlands auf die Erarbeitung eines gemeinsamen Schulbuchs für den Geschichtsunterricht verständigt. Mit dem ersten Band zur Geschichte Europas – von der Antike bis zum Mittelalter – werden ab sofort Schüler in Deutschland und Polen der Klassenstufen 5 bis 10 lernen können, denn es entspricht den Lehrplänen beider Länder. Drei weitere Bände der Buchreihe, die die Geschichte Europas bis zum Beginn des 21. Jahrhundert für den Schulunterricht aufbereiten, sollen bis 2020 folgen.

Dass das Buch in erster Linie ein europäisches Geschichtslehrbuch ist und erst an zweiter Stelle ein deutsch-polnisches Projekt, unterstrichen die Mitglieder des Expertenrates. „Es ist ein gemeinsames, europäisches Geschichtsnarrativ. Das ist der Mehrwert“, sagte Robert Traba, Vorsitzender der bereits seit 1972 bestehenden Gemeinsamen Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission. Diese Erwartung teilen auch die Schüler, die mit den Experten auf der Bühne der Berliner Schulaula standen. „Wir werden die Geschichte von zwei Seiten sehen. Das wird objektiver sein und es werden Themen dabei sein, die bis jetzt ausgespart wurden“, sagte eine Schülerin der 8. Klasse, die aus Posen angereist war.

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