Am Puls der Vergangenheit

Deutsche Nachkriegsgeschichte hautnah: Ein Gespräch mit Uta Bretschneider, Direktorin des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig.

Uta Bretschneider, Direktorin des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig
Uta Bretschneider, Direktorin des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Frau Bretschneider, Ihre Dauerausstellung behandelt die deutsche Nachkriegsgeschichte ab 1945. Welche Themen interessieren ein internationales Publikum besonders?
Die Friedliche Revolution spielt hier in Leipzig natürlich eine besondere Rolle, weil die historischen Orte ganz in der Nähe liegen. Aber auch das Alltagsleben in der DDR interessiert unsere internationalen Gäste. Für manche gibt es da Parallelen zum eigenen Erleben, während es für andere befremdlich ist. Das Thema DDR-Geheimpolizei „Stasi“ (Staatssicherheit) ist sicherlich auch für Gäste aus dem Ausland interessant. Besonders dann, wenn sie von solchen Phänomenen selbst betroffen sind oder waren.

In Leipzig fanden 1989 die Montagsdemonstrationen statt, die zum Ende der DDR beitrugen. Wie thematisieren Sie das?
Die Ausstellung spitzt sich auf die Ereignisse 1989 zu, die Montagsdemonstrationen spielen dabei eine besondere Rolle. Wir stellen etwa Fahnen und Banner von damals aus und es gibt Videoaufnahmen. Außerdem thematisieren wir die Vorgeschichte der Ereignisse des Jahres 1989, von zentraler Bedeutung sind da Michail Gorbatschows Reformziele Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) sowie die polnische Gewerkschaft Solidarność. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass unsere osteuropäischen Gäste sich freuen, dass das hier thematisiert wird.

Das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig macht deutsche Nachkriegsgeschichte erlebbar.
Das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig macht deutsche Nachkriegsgeschichte erlebbar.
PUNCTUM

Welche Erfahrung mit Besuchern war Ihnen besonders wichtig?
Am schönsten war es, zu sehen, wie Gäste aus Deutschland und aus dem Ausland in der Ausstellung miteinander über die deutsche Geschichte ins Gespräch gekommen sind. Das ist ja das, was ein Museum im Idealfall leistet: dass es ein Kommunikationsort ist. Wenn sich dann noch Besucherinnen und Besucher verschiedener Kulturen oder Herkunftsregionen austauschen, finde ich das wunderbar.

 


Uta Bretschneider ist seit April 2020 Direktorin des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig. Die Dauerausstellung „Unsere Geschichte. Diktatur und Demokratie nach 1945“ behandelt die deutsche Nachkriegsgeschichte auf Deutsch und Englisch. Führungen gibt es auf Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Polnisch.

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