Steinmeier zu Gedenken in Hanau

Ein Jahr nach dem Anschlag will der Bundespräsident deutlich machen, dass die Opfer der rassistisch motivierten Tat unvergessen sind. 

Steinmeier zu Gedenken in Hanau
dpa

Hanau (dpa) - Am Jahrestag des Anschlags von Hanau mit neun Toten will Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am heutigen Freitag in der Stadt den Angehörigen sein Mitgefühl aussprechen und ein Zeichen gegen Rassismus und Rechtsextremismus setzen. Zusammen mit Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), dem Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) sowie Überlebenden und Hinterbliebenen nimmt Steinmeier an einer Gedenkveranstaltung Hanau teil. Bereits am Donnerstagabend hatten knapp 3000 Menschen mit einer Demonstration durch die Frankfurter Innenstadt an die Opfer des Anschlags erinnert. In Sprechchören riefen Demonstranten immer wieder «Hanau war kein Einzelfall».

Der 43-jährige Deutsche Tobias R. hatte am Abend des 19. Februar 2020 neun Menschen mit ausländischen Wurzeln an mehreren Orten in der Stadt im Rhein-Main-Gebiet erschossen, bevor er mutmaßlich seine Mutter und schließlich sich selbst tötete. Zuvor hatte er Pamphlete und Videos mit Verschwörungstheorien und rassistischen Ansichten im Internet veröffentlicht. Die Tat hatte Entsetzen in ganz Deutschland ausgelöst. Zahlreiche Organisationen und Personen aus Politik, Kultur und öffentlichem Leben hatten den Hinterbliebenen ihr Mitgefühl bekundet und ein konsequentes Handeln gegen Rechts gefordert.

Bei der Gedenkveranstaltung sind neben einem kurzen Film, der sich den Ereignissen des 19. Februar 2020 widmet, auch persönliche Videoansprachen der Opferfamilien geplant. Symbolisch und in Erinnerung an jedes der neun Opfer werde eine frei stehende und beleuchtete Namenssäule auf der Bühne stehen, wie Kaminsky und Bouffier angekündigt hatten. Zum Ende der Gedenkfeier sollen um 19.02 Uhr alle Kirchenglocken in der Stadt und im Hanauer Umland läuten. Auch zahlreiche weitere Aktionen und Demonstrationen sind geplant, darunter eine Kranzniederlegung und ein «Antifaschistischer Stadtrundgang» des Deutschen Gewerkschaftsbundes Südosthessen, mehrere Mahnwachen und Friedensgebete in Hanauer Kirchen.