Musik für das Auge

Filmmusik nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise. Der 26-jährige Vincent Ott erzählt, wie ein Komponist arbeitet.

Vincent Ott arbeitet als Filmkomponist in London.
Vincent Ott arbeitet als Filmkomponist in London. Joseph Campos

Vincent, zuletzt hast du die Musik für zwei Netflix-Serien komponiert, woran arbeitest du gerade?
Momentan arbeite ich an verschiedenen Projekten. Aktuell arbeite ich an der Dokumentationsserie „Man in the Arena“ über den Football-Spieler Tom Brady. Außerdem komponiere ich die Musik für eine Tanzausstellung in London, die im Sommer aufgeführt wird. Ansonsten schreibe ich Lieder für verschiedene Künstler.

Wie gehst du vor, wenn du selbst Filmmusik komponierst?
Hilfreich bei der Entstehung eines Stückes sind die W-Fragen:

Wann spielt der Film? Wenn er in der Zukunft spielt, arbeite ich vielleicht mehr mit Synthesizern. Spielt er zum Beispiel in der Renaissance, dann kann man musikalische Elemente von damals verwenden.

Wo spielt der Film? Einen Film, der in Japan spielt, würde ich anders vertonen, als einen, der in Deutschland spielt.

Um was geht es in dem Film? Geht es um das Konzept von Zeit, dann könnte man beispielweise mit dem Sound von Uhrenticken arbeiten. Man kann sich auch überlegen, worum es nicht geht. Ich würde bei einem Actionfilm zum Beispiel keine sanfte Musik verwenden.

Du lebst und arbeitest in London. Eignet sich auch Deutschland, um als Filmkomponist erfolgreich zu sein?
Deutschland eignet sich hervorragend, um in der Filmmusik Erfolg zu haben. Es gibt dort sehr gute Adressen zum Studieren, Weiterbilden und Arbeiten. Das Studium ist in Deutschland kostenlos, das sieht in einigen Ländern ganz anders aus. Außerdem gibt es den Musikkongress SoundTrack Cologne oder die Sommerakademie MediaSound Hamburg. Allerdings haben englischsprachige Filme ein sehr großes Publikum und dadurch sind Städte wie Los Angeles oder London natürlich für Filmkomponisten sehr attraktiv.

Welche Tipps würdest du Menschen geben, die eine Karriere als Filmkomponist anstreben?
Am wichtigsten ist, dass sie eine Begeisterung für Musik, Filme und natürlich Filmmusik haben. Allerdings muss man bedenken, dass der Film natürlich immer im Vordergrund steht. Der Regisseur hat eine bestimmte Vorstellung des Gesamtkunstwerks. Wenn man einen Film vertont, dann muss man sich überlegen, welche Musik die Geschichte braucht und dem muss man sich unterordnen.

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