Das Menschenrecht auf Wasser

Der Klimawandel gefährdet auch unser Trinkwasser. UN-Experte Léo Heller sagt, warum sauberes Wasser ein Menschenrecht ist.

Seit 2014 ist Léo Heller Sonderberichterstatter bei den UN.
Seit 2014 ist Léo Heller Sonderberichterstatter bei den UN.

Seit sechs Jahren ist der Brasilianer Léo Heller UN-Sonderberichterstatter zu den Rechten auf Wasser  und Sanitärversorgung. Vor allem Deutschland und Spanien setzten sich für die Schaffung dieses Amtes bei den UN ein. 2008 wurde nach einer Resolution des UN-Menschenrechtsrates ein unabhängiger  Sonderberichterstatter ernannt, der die Einhaltung der Rechte weltweit überwacht – 2014 übernahm Léo Heller den Posten. 2010 erkannten die Vereinten Nationen die Rechte auf sauberes Trinkwasser und Sanitätsversorgung als Menschenrechte an.

Herr Heller, was sind Ihre Aufgaben als Sonderberichterstatter?

Ich überwache die globale Einhaltung der Menschenrechte auf sauberes Trinkwasser und Sanitärversorgung. Dazu besuche ich viele verschiedene Länder, um einen Überblick über die Situation weltweit zu erhalten. Im Anschluss fertige ich Berichte für den Menschenrechtsrat und die UN-Generalversammlung an, in denen ich die Unterschiede in der Versorgung in vielen Ländern analysiere und potentielle schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen feststelle.

Warum wurden die Rechte auf sauberes Trinkwasser und Sanitätsversorgung 2010 als Menschenrechte festgelegt?

Bereits vor 2010 wurden sie in der Allgemeinen Menschenrechtserklärung indirekt festgelegt. Es gab allerdings Auslegungsspielräume, die von manchen Staaten genutzt wurden, um sie zu brechen. Deshalb war es wichtig, das Recht explizit auszuformulieren. Jetzt herrscht Klarheit darüber, was genau diese Menschenrechte beinhalten und wie sie umgesetzt werden können. Heute ist es einfacher ihre Einhaltung weltweit zu fördern.

Das Motto des Weltwassertages 2020 lautet „Wasser und Klimawandel“. Wie beeinflusst der Klimawandel den Zugang zu sauberem Wasser?

Es gibt immer mehr Dürren auf der einen und Überflutungen auf der anderen Seite. Beide Phänomene erschweren den Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die wichtigsten Fragen der kommenden Jahre werden daher sein: Wie kann sich der Mensch auf die veränderten Situationen einstellen und wie können wir auch in Zukunft den Zugang zu sauberem Trinkwasser gewährleisten?

Welche Menschen sind besonders stark vom Klimawandel betroffen?

Vor allem wirtschaftlich Benachteiligte und kranke Menschen sowie indigene Bevölkerungen. Die Auswirkungen des Klimawandels sind nicht überall gleich stark – sie treffen vor allem diejenigen, die sowieso schon mit schwierigen sozialen, politischen und ökologischen Bedingungen zu kämpfen haben. Auf diese Menschen müssen wir uns fokussieren, um dort auch in Zukunft die Einhaltung der Menschenrechte auf sauberes Trinkwasser und Sanitätsversorgung zu gewährleisten.

Es wird eine große Herausforderung in Zukunft, weltweit den Zugang zu Trinkwasser zu garantieren.

Léo Heller, UN-Sonderberichterstatter

Wie geht es weiter, wenn die Welt ihren Kurs beibehält?

Die Ungleichheiten und Einkommensunterschiede werden immer größer, es gibt mehr Konflikte und die Auswirkungen des Klimawandels nehmen zu. Diese Entwicklungen haben negative Auswirkungen auf den Zugang zu sauberem Wasser und zu Sanitätsversorgung. Es wird eine große Herausforderung in Zukunft, weltweit den Zugang zu Trinkwasser zu garantieren. Schon heute gibt es selbst in entwickelten Ländern Gruppen, denen der Zugang verwehrt wird, zum Beispiel Flüchtlinge oder Obdachlose. Die Ungleichheiten werden durch den Klimawandel noch größer.

Was muss getan werden, um den Zugang zu Trinkwasser und Sanitätsversorgung zu gewährleisten?

Die Politik muss frühzeitig Maßnahmen zur Prävention und Anpassung ergreifen. Leider sehe ich bei vielen Ländern nur einen geringen Willen, sich mit dem Thema aktiv auseinanderzusetzen. Wir brauchen konkrete Pläne, wie wir mit den Auswirkungen des Klimawandels vor allem in ärmeren Regionen umgehen. Wir müssen Maßnahmen ergreifen, damit die Menschenrechte auf sauberes Trinkwasser und Sanitätsversorgung dort auch in Zukunft gewährleistet werden können.

Interview: Kim Berg

© www.deutschland.de

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