Der Supermarkt wird zur Farm

Gelebte Zukunft: Kräuter und Fische kommen frisch vom Dach des Einkaufsmarktes – eine Vision, die bereits gebaut wird

 Nachhaltige Baustoffe – in Wiesbaden entsteht ein wegweisender Supermarkt.
Nachhaltige Baustoffe – in Wiesbaden entsteht ein wegweisender Supermarkt. Michael Schick

Es gibt eine Vision, wie der Lebensmittelmarkt der Zukunft aussehen könnte: Er ist nachhaltig und weitgehend aus Holz gebaut. Auf dem Parkplatz davor werden Blumen blühen und auf dem Dach des Gebäudes Fische und Kräuter gezüchtet. In Wiesbaden bei Frankfurt wird diese Vorstellung Realität, dort wird gerade die Blaupause für eine neue Generation von Märkten gebaut.

Die Rewe Handelsgruppe baut diesen Markt, das Berliner Unternehmen ECF Farm Systems kümmert sich um die Aquaponikfarm auf dem Dach. Diese Anlagen kombinieren Fisch- und Pflanzenzucht in einem geschlossenen Wasser- und Nährstoffkreislauf. Vereinfacht kann man sagen, die Ausscheidungen der Fische düngen die Pflanzen. Das von ihnen gefilterte Wasser fließt dann zurück zu den Fischen. Im Supermarkt der Zukunft werden nicht nur Lebensmittel verkauft, sondern auch regional produziert. Auf einer Fläche von 1.640 Quadratmetern wachsen Basilikumpflanzen heran, die an 450 Supermärkte ausgeliefert werden – plastikfrei verpackt. Die Fische, rund eine Tonne pro Monat, werden ebenfalls in den Supermärkten der Region verkauft. Für die Aufzucht von Tieren und Pflanzen werden weder Medikamente noch Pestizide eingesetzt.

Außergewöhnliche Architektur und eine Fischzucht auf dem Dach
Außergewöhnliche Architektur und eine Fischzucht auf dem Dach Michael Schick

Der Entwurf für den Markt stammt vom Londoner Architekturbüro Acme, das ähnliche Projekte in Australien und im Nahen Osten betreut. Auch wenn sich das Einkaufsverhalten von Land zu Land unterscheide, gebe es Trends, die sich weltweit durchsetzten: Zum Beispiel der Online-Einkauf oder das Prinzip Click & Collect, sagt Architekt Friedrich Ludewig, der das Büro leitet. Supermärkte entstehen nicht mehr außerhalb der Städte, sondern im Wohnquartier. Damit verändert sich das Einkaufsverhalten: weg von einem großen Wocheneinkauf mit dem Auto, hin zu Einkäufen – bevorzugt von frischen Produkten – mehrmals in der Woche, zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Im Supermarkt der Zukunft gibt es deshalb ausreichend viele Fahrradstellplätze und Ladestationen für E-Bikes. Wenn Märkte in die Städte ziehen, können sie zusätzliche Funktionen übernehmen. Auf ihren Dächern entstehen Wohnungen, Büros oder Kitas. Friedrich Ludewig ist überzeugt: „Die Zukunft des Marktes ist lokal.“

In Wiesbaden wird dieses Konzept in zweierlei Hinsicht umgesetzt: In der Architektur und im Warensortiment. Der Markt wird zu großen Teilen aus zertifiziertem heimischen Holz gebaut. Die Kundschaft erwartet ein Sortiment frischer, regionaler Waren: von Obst und Gemüse, das von Bauern aus der Nachbarschaft stammt, über Fleisch bis hin zu Fisch und Kräutern vom Dach.

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