Zeichen setzen gegen Antisemitismus

Ist es sicher, in Deutschland Kippa zu tragen? Der Antisemitismusbeauftragte provoziert mit einem Statement und ruft zu einer Solidaritätsaktion auf.

Kippa-Debatte in Deutschland
Kippa tragen - als Zeichen der Solidarität dpa

Berlin (dpa) - Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat die Bürger Deutschlands aufgerufen, am 1. Juni Kippa zu tragen. Damit setze man ein wichtiges Zeichen der Solidarität mit Juden und trete ein für die uneingeschränkte Religionsfreiheit und gesellschaftliche Vielfalt, sagte Klein den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Ich rufe alle Bürgerinnen und Bürger in Berlin und überall in Deutschland auf, am kommenden Samstag, wenn in Berlin beim ‚Al-Kuds-Tag‘ wieder in unerträglicher Weise gegen Israel und gegen Juden gehetzt wird, Kippa zu tragen.“

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, stufte Solidaritätsaktionen wie „Berlin trägt Kippa“ zwar als sinnvoll ein, doch reichten diese nicht aus. Antisemitismus müsse auf vielen Ebenen bekämpft werden, sagte er der „Passauer neuen Presse“.

Angesichts der Diskussion um das öffentliche Tragen der Kippa riet Schuster Kindern und Jugendlichen zur Vorsicht. In manchen Großstädten sollten sie „lieber eine Mütze über die Kippa ziehen“. Er selbst tue das auch seit Jahren, so der Zentralratspräsident. „Wenn auf das Problem jetzt von staatlicher Seite hingewiesen wird, wird die Lage hoffentlich so ernst genommen, wie sie ist.“

Regierungssprecher Steffen Seibert betonte am 27. Mai, die staatlichen Institutionen müssten dafür Sorge tragen, dass Menschen überall in Deutschland sicher eine Kippa tragen können. „Der Staat hat zu gewährleisten, dass die freie Religionsausübung eines jeden möglich ist“, sagte Seibert. Jeder Mensch solle sich an jedem Ort dieses Landes - auch mit einer Kippa - sicher bewegen können. „Zu dieser Verantwortung stehen wir.“

Aufrüttelndes Kippa-Statement

Klein hatte zuvor geraten, Juden sollten sich nicht überall in Deutschland mit der Kippa zeigen. Diese Aussage hatte großen Wirbel ausgelöst. Er begründete dies mit der „zunehmenden gesellschaftlichen Enthemmung und Verrohung“, die ein fataler Nährboden für Antisemitismus sei. Mit seinem provozierenden Statement habe er bewusst eine Debatte über die Sicherheit der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland anstoßen wollen. Natürlich bin ich der Auffassung, dass es nirgendwo in Deutschland No-Go-Areas für Juden oder Angehörige von anderen Minderheiten geben darf.

2018 war die Zahl antisemitischer Straftaten bundesweit gestiegen. Seibert sagte, der Anstieg der Straftaten „sollte für jeden in Deutschland ein Anlass zur großer Sorge sein“. Jede einzelne dieser Straftaten sei ein Angriff auf die menschliche Würde.