Kriegsgedenken in Dresden

Dresden hält am 13. Februar stets inne. Die Zerstörung der Elbestadt durch alliierte Bomben jährt sich zum 75. Mal.

Kriegsgedenken in Dresden
dpa

Dresden (dpa) - Weiße Rosen, stille Erinnerung - und linke Störer: Dresden gedenkt seiner Zerstörung vor 75 Jahren. Zum Auftakt versammelten sich am Donnerstagvormittag rund 200 Menschen zur traditionellen Kranzniederlegung für die Opfer der alliierten Bombenangriffe auf dem Heidefriedhof im Norden der sächsischen Landeshauptstadt, darunter Landtagspräsident Matthias Rößler und Bürgermeister Detlef Sittel. Erstmals wurden auch die Namen von 3867 Toten der Luftangriffe verlesen - dagegen protestierten linke Demonstranten. Kritiker hatten den Organisatoren vorgeworfen, damit auch Nazi-Täter zu würdigen.

Es ist wichtig, dass wir uns erinnern, weil sich Geschichte dann nicht wiederholt, wenn wir sie kennen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen», sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer in einer Mitteilung. Wir alle tragen Verantwortung für unsere Demokratie und ein friedliches Miteinander. Kretschmer nahm an einer Kranzniederlegung auf dem Alten Annenfriedhof teil.

Am 13. Februar 1945 und in den Tagen danach hatten britische und amerikanische Bomber das Zentrum der Elbestadt in Schutt und Asche gelegt. Bis zu 25 000 Menschen starben. Zunächst warfen 773 britische Bomber riesige Mengen an Sprengbomben ab. Darauf folgten etwa 650 000 Brandbomben, die einen Feuersturm entfachten. Die Innenstadt glich einer Wüste aus Ruinen. Am 14. und 15. Februar folgten Angriffe der US-Amerikaner. Die bis zur Unkenntlichkeit verkohlten Toten lagen noch Tage auf der Straße oder in den Trümmern, ehe die Leichenberge zur Verhinderung von Seuchen verbrannt werden konnten, heißt es in einer Dokumentation des Deutschen Historischen Museums.

Die Luftangriffe werden regelmäßig von Rechtsextremen instrumentalisiert, um die Kriegsschuld Deutschlands zu relativieren. Unter Völkerrechtlern und Historikern, auch in Großbritannien, sind die Bombardements umstritten. Nach Ansicht des Luftkriegsforschers Jens Wehner können die Luftangriffe auf Dresden nicht ohne den Kontext des Kriegsverlaufs betrachtet werden: Wenn Dresden ein Kriegsverbrechen war, dann waren das auch viele andere Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg - ob nun von Deutschen oder Alliierten begangen. Egal, wie man diese Bombardierung bewertet: Dresden taugt nicht zur Umdeutung des Krieges, sagte der Forscher.

Bis zum Abend sind zahlreiche offizielle Gedenkveranstaltungen für die schätzungsweise 25 000 Opfer der Bombardierungen zwischen dem 13. und 15. Februar 1945 geplant. Viele von ihnen sind auf dem Waldfriedhof in Reihengräbern und einem Aschegrab bestattet.

Am Nachmittag wurde Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erwartet, um die Gedenkrede zu halten und sich dann zusammen mit dem Herzog von Kent, dem Cousin von Königin Elisabeth II., in die traditionelle Menschenkette einzureihen. Mit der Aktion wehren sich die Dresdner auch gegen den Missbrauch des Gedenkens durch Rechtsextreme und andere Revisionisten.