Merkel empfängt Jacinda Ardern

Am Dienstag empfängt die Bundeskanzlerin die Premierministerin Neuseelands auf ihrer Europareise.

Besuch: Die neuseeländische Ministerin Jacinda Ardern zu Gast in Berlin
dpa

Wellington (dpa) - Am 15. Juni ist Geburtstermin für ihr erstes Kind. Zuvor schaut die einzige schwangere Regierungschefin der Welt - soweit bekannt - an diesem Dienstag noch bei Angela Merkel im Kanzleramt vorbei.

Jacinda Ardern wäre aber auch ohne Babybauch eine der interessanteren Besucherinnen. Die Sozialdemokratin, deren Name vor einem Jahr außerhalb von Neuseeland kaum jemand etwas sagte, hat es inzwischen zu ziemlichem Star-Appeal gebracht. International wird sie nun oft mit männlichen Kollegen wie Emmanuel Macron oder Justin Trudeau verglichen.

Ardern steht erst seit vergangenem Sommer an der Spitze der Labour Party. Sie übernahm die Partei siebeneinhalb Wochen vor der Parlamentswahl, als sie in den Umfragen schier aussichtslos zurücklag. Ardern führt nun eine Links-Koalition aus Labour, Neuseeland-Populisten und Grünen.

Nach dem ersten halben Jahr ist sie immer noch beliebt. Die Zeitungen des Pazifikstaats sprechen weiter von «Jacinda-Manie». Ardern hat ein Programm gegen Kinderarmut und einen Plan zum Bau von 100 000 Häusern für junge Familien auf den Weg gebracht. Aus Klimaschutz-Gründen verkündete sie den Stopp von neuen Öl- und Gasbohrungen. Den Kampf gegen den Klimawandel hat sie auch international zu einem ihrer wichtigsten Anliegen gemacht.

Auf ihrer Europa-Reise - außer Berlin noch Paris und London - geht es zudem um ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union. Trotz der riesigen Entfernung - mehr als 18 000 Kilometer - ist Deutschland Neuseelands sechstgrößter Handelspartner. Thema des Treffens mit Merkel und dann auch beim Commonwealth-Gipfel in London wird gewiss auch der Syrien-Krieg sein.

Die Tatsache, dass sie ihre Karriere für die Familienplanung nicht aufgab, hat ihr viel Applaus eingebracht. Ardern bezeichnet sich ohne Umschweife als Feministin. Zu ihrer künftigen Doppelaufgabe meint sie lapidar: «Ich bin keineswegs die einzige Frau, die Multitasking macht.»