Mindestlohn für Auszubildende

Eine Gesetzesreform sichert deutschen Azubis eine Lohnuntergrenze ab dem kommenden Jahr zu.

Mindestlohn für Auszubildende
dpa

Berlin (dpa) - In Deutschland sollen Auszubildende ab 2020 einen Mindestlohn erhalten. Eine Reform des Berufsbildungsgesetzes sieht eine Untergrenze von mindestens 515 Euro im Monat vor. Das deutsche Regierungskabinett beschloss die Reform am Mittwoch in Berlin.

Mit dem geplanten Gesetz von Bildungsministerin Anja Karliczek soll zudem die berufliche Weiterbildung gestärkt werden. Die Mindestvergütung für das erste Ausbildungsjahr soll jährlich steigen: Wer 2021 seine Lehre beginnt, soll mindestens 550 Euro bekommen, 2022 sollen es 585 Euro sein und im Jahr darauf 620 Euro. Im zweiten Ausbildungsjahr soll sich die Mindestvergütung um 18 Prozent erhöhen, im dritten um 35 Prozent. Ursprünglich hatte die Christdemokratin Karliczek für die im Koalitionsvertrag vereinbarte Mindestvergütung 504 Euro im ersten Lehrjahr vorgesehen. Dies hatten die mitregierenden Sozialdemokraten als zu niedrig abgelehnt.

Nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit verdienten Ende 2017 fast 65.000 Azubis in Deutschland weniger als 400 Euro im Monat, weitere 50.000 unter 500 Euro - zusammen mehr als sieben Prozent aller Auszubildenden. Unter der neuen Mindestlohn-Grenze lagen 2018 nach Daten des Bundesinstituts für Berufsbildung beispielsweise Raumausstatter-Lehrlinge, die in Ostdeutschland 480 Euro im Monat verdienen, aber auch Schornsteinfeger mit 450 Euro und ostdeutsche Friseure mit 325.

Mit dem Gesetz soll zudem die Weiterbildung zu höheren Berufsabschlüssen gestärkt werden. Statt unzähliger Fortbildungsabschlüsse soll es einheitlichere Abschlüsse geben. Eingeführt werden sollen dafür neue übergreifende Abschlussbezeichnungen. Dabei soll der neue «Bachelor Professional» dem heutigen Meister entsprechen. Beispielsweise auf dem Meisterbrief eines Bäckers soll künftig auch die Abschlussbezeichnung «Bachelor Professional im Bäckereihandwerk» aufgeführt sein. Für noch höherwertigere Abschlüsse wie Betriebswirt soll es den Abschluss «Master Professional» geben, beispielsweise «in Betriebswirtschaft».

Mit diesen einheitlichen Bezeichnungen soll erreicht werden, dass die Berufsausbildung verstärkt als gleichwertig zur akademischen Bildung anerkannt wird. In anderen Ländern ohne duale Ausbildung soll besser erkennbar sein, welchem Universitätsabschluss die jeweilige Ausbildung entspricht.