Steigende Mieten

Zehntausende Menschen haben in Berlin für bezahlbare Wohnungen protestiert und fordern dafür sogar Enteignungen. Ist das die Lösung?

Steigende Nachfrage, steigende Mieten: Heftiger Protest
Steigende Nachfrage, steigende Mieten: Heftiger Protest dpa

In den vergangenen Jahren ist Wohnraum in den großen deutschen Städten immer teurer geworden. So lag der durchschnittliche Preis pro Quadratmeter im ersten Quartal 2018 in München bei 17,57 Euro, in Frankfurt bei 13,90 Euro und in Stuttgart bei 13,48 Euro. Berlin kommt von einem geringeren Niveau, liegt aber auch schon bei 11,80 Euro – ohne Nebenkosten. Das können sich durchschnittlich verdienende Menschen und vor allem Familien kaum noch leisten. Schon jetzt geben Sie über 35 Prozent ihres Geldes für Wohnen aus.

Was ist die Ursache der steigenden Mieten?

Immer mehr Menschen ziehen wegen der Arbeit und der Lebensqualität in die großen Städte. Diese haben den Trend zu spät erkannt und reagieren erst jetzt mit Wohnungsbauprogrammen. Zudem sind die Baustandards gestiegen, unter anderem wegen Auflagen zum Klimaschutz, und die Eigentümer von Immobilien erwarten Rendite. All diese Umstände lassen die Mieten steigen.

Warum werden Enteignungen gefordert?

Viele Wohnungen gehören börsennotierten Gesellschaften wie Vonovia oder Deutsche Wohnen. Mehr als bei Genossenschaften oder kommunalen Wohnungsbaugesellschaften steht bei diesen Unternehmen der Gewinn im Vordergrund.

Wie sind die Positionen?

Kevin Kühnert, Bundesvorsitzender der Jugendorganisation der SPD (Jusos), fordert, dass „jeder maximal den Wohnraum besitzen sollte, in dem er selbst wohnt“. Das hat eine breite Diskussion ausgelöst. Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, hält Enteignungen grundsätzlich für denkbar. Das Grundgesetz sehe das vor. Beim Autobahnbau werde das auch praktiziert. Rolf Buch, Vorstandsvorsitzender von Vonovia und mit fast 400.000 Wohnungen größter privater Vermieter Deutschlands, verweist darauf, dass Enteignungen mit erheblichen Entschädigungen verbunden wären:Er kündigt einen Strategiewechsel an: Weniger renovieren, mehr bauen.

Was ist die Lösung?

Enteignungen sind für den Staat teuer und Wohnungen werden dadurch nicht automatisch billiger. Deshalb hilft langfristig nur: mehr bauen. Dafür sollten brachliegende Flächen bebaut, Stadtviertel nachverdichtet und bürokratische Hürden abgebaut werden.

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