Erklärt: Deutsche Gebärdensprache

Mit dem Deutschen hat sie wenig zu tun, dafür ist sie schneller – und hat eigene Begriffe: ein  Überblick zur Deutschen Gebärdensprache.

Zwei Gehörlose unterhalten sich.
Zwei Gehörlose unterhalten sich. fizkes - stock.adobe.com

Deutsche Gebärdensprache, kurz: DGS, sprechen mindestens 200.000 Menschen in Deutschland, von ihnen sind etwa 80.000 gehörlos. Als vollwertige Sprache ist DGS seit 2002 durch das Behindertengleichstellungsgesetz anerkannt.

Visuelle Sprache

Bei der DGS spielen Mundbild, Mimik, Handform, Handstellung und Gestik eine Rolle. Im Gegensatz zur Lautsprache verläuft sie nicht linear. Wille Felix Zante vom Deutschen Gehörlosen-Bund erklärt die Gleichzeitigkeit der Worte: „Man kann vieles parallel anzeigen, wodurch die Gebärdensprache schneller und komprimierter als die deutsche Sprache ist.“ Statt etwa die Namen von Anwesenden zu nennen, kann man auf sie zeigen. „DGS ist im Grunde eine 3D-Sprache, die den ganzen Raum vor dem Körper ausnutzt.“

Andere Orte, andere Gebärden

Durch die späte Anerkennung der DGS entwickelten sich regionale Dialekte. „Unterschiede gibt es zum Beispiel bei den Monaten und Wochentagen“, meint Zante. Aber auch Redewendungen können sich unterscheiden: „Was im Deutschen der ‚kalte Kaffee‘ ist, nennen wir in der DGS die ‚alte Suppe‘“. International sind die Unterschiede der Gebärden noch größer, es sind schließlich auch unterschiedliche Sprachen.

Sprache im Wandel

Allein während der Corona-Pandemie entstanden laut dem Leibniz-Institut für Deutsche Sprache 2.000 neue Wörter. Bei der Gebärdensprache sei das ähnlich, sagt Zante: „Man schaut sich an, wie  andere Länder neue Begriffe handhaben. Durch gehörlose Forschende verbreiten sich bestimmte Fachgebärden. Das geht sehr schnell.“ Bei dem Namen der neuen deutschen Außenministerin Annalena Baerbock habe sich sogar eine Fachgruppe zusammengefunden, die die Gebärde für ihren Namen festgelegt hat.

DGS erleichtert Inklusion

Das Institut für deutsche Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser gibt seit 1994 verschiedene Fachgebärdenlexika heraus, beispielsweise zum Thema Handwerk oder Gesundheit. Durch die Anerkennung der DGS seien Gebärdendolmetscher viel leichter verfügbar, so Zante. Auch die Kommunikation laufe durch bessere Webcams mittlerweile reibungsloser.

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