„Die Themen begleiten mein Leben“

Zuwanderung als Aufgabe der Regierung – Integrationsbeauftragte Reem Alabali-Radovan spricht über Herausforderungen und Erfahrungen.

Reem Alabali-Radovan
Reem Alabali-Radovans Eltern flüchteten aus Irak. picture alliance/dpa

Seit Ende 2021 ist Reem Alabali-Radovan Integrationsbeauftragte der Bundesregierung. Ihre Eltern flüchteten aus Irak, wo sie politisch verfolgt wurden, nach Russland und kamen 1996 nach Deutschland. Da war die in Moskau geborene Reem Alabali-Radovan sechs Jahre alt.

Frau Alabali-Radovan, helfen Ihnen Ihre eigenen Erfahrungen bei der Arbeit?
Die Themen meines Amtes begleiten mich schon mein ganzes Leben – sowohl privat als auch beruflich. Dadurch kann ich meine eigene Perspektive einbringen. Als ehemals Geflüchtete in einer Erstaufnahmeeinrichtung, in der ich nach meinem Studium dann auch gearbeitet habe, kenne ich beide Seiten. Ich weiß ganz genau, welche Herausforderungen wir in Deutschland haben und was wir noch verbessern müssen.

Wo gibt es in Deutschland Nachholbedarf in der Integrationspolitik?
Nachholbedarf haben wir insbesondere bei der Diversität, und das nicht zuletzt im Öffentlichen Dienst. Das ist ein Thema, das mir sehr wichtig ist. Wir müssen die Vielfalt unserer Gesellschaft im öffentlichen Dienst widerspiegeln – sei es in Bundesministerien, Sicherheitsbehörden oder Polizei. Das ist ein Thema, dem ich mich während meiner Amtszeit intensiv widmen möchte.

Ein anderer sehr wichtiger Punkt ist der Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus, Hass und Hetze. Alltagsrassismus ist leider ein Dauerthema für viele. Wir müssen den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken und zusammenstehen gegen jede Form der Diskriminierung.

Wir müssen den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken und zusammenstehen gegen jede Form der Diskriminierung.

Reem Alabali-Radovan

Wie unterstützt Deutschland Zuwanderinnen und Zuwanderer?
Wir haben in Deutschland bereits ein breites Netz an Integrationsmaßnahmen. In fast jedem Landkreis oder in jeder Stadt gibt es Integrationsstrukturen, Integrationsbeauftragte oder Migrationsberatungsstellen, an die man sich wenden kann. Bei der Einwanderung – sei es aus Erwerbs- oder aus Fluchtgründen – ist es wichtig, gute Anlaufstellen zu haben, denn sie sind ein wichtiger Anker für Menschen, die neu bei uns ankommen. Die neue Bundesregierung will zudem allen Menschen, die nach Deutschland kommen, von Anfang an einen Integrationskurs anbieten und die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse beschleunigen. Außerdem ist uns wichtig, dass auch die Kinder schnell Zugang zu Bildung bekommen, deshalb wollen wir schulnahe Angebote schon kurz nach der Ankunft ermöglichen.

Wie wichtig ist es für Deutschland, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen?
Wir haben bereits einen sehr großen Fachkräftemangel, der vor allem im ländlichen Raum immer deutlicher wird. Laut der Bundesagentur für Arbeit brauchen wir jährlich eine Zuwanderung von etwa 400.000 Menschen, um den Fach- und Arbeitskräftemangel zu beheben. Vor allem im medizinischen Bereich, der Pflege und dem Bau ist der Bedarf riesig. Wir müssen also noch mehr für Deutschland werben und Hürden abbauen, damit möglichst viele Fachkräfte hierherkommen – und auch bleiben wollen.

Welche Rolle spielen Zuwanderinnen und Zuwanderer bei Gründungen?
Jede fünfte Unternehmerin und jeder fünfte Unternehmer in Deutschland hat eine familiäre Einwanderungsgeschichte, sie leisten also einen großen Gründungsbeitrag. Das wollen wir stärken, denn Deutschland muss im Wettbewerb um innovative, kluge Köpfe attraktiv sein.

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