Ins Gespräch kommen

Maimonides ist ein jüdisch-muslimisches Bildungswerk – hier erzählen die Gründer von ihrer Zusammenarbeit.

Im Austausch: Jugendliche besuchen Auschwitz – vor Corona.
Im Austausch: Jugendliche besuchen Auschwitz – vor Corona. picture alliance/dpa

Mustafa Cimşit: „Als ich Peter kennenlernte, war er Vorsitzender der jüdischen Gemeinden in Rheinland-Pfalz. Später bat ich ihn, mich beim Aufbau des muslimischen Landesverbands Schura zu unterstützen. So sind wir Freunde geworden. Irgendwann entstand der Gedanke, unseren Austausch zu institutionalisieren. Deshalb haben wir 2019 das Jüdisch-Muslimische Bildungswerk Maimonides gegründet – benannt nach dem jüdischen Philosophen und Mediziner aus Córdoba, einem Paradebeispiel der jüdisch-muslimischen Beziehungen in der Geschichte. Eines unserer ersten Projekte heißt ‚Couragiert – Gemeinsam gegen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit‘. Wir wollen in jüdischen und muslimischen Gemeinden und Einrichtungen Multiplikatoren zu ‚Couragiert-Trainern‘ schulen. Dabei geht es auch um Erinnerungskultur. Um die dunklen Kapitel der Geschichte, aber auch um Fragen wie: Wo haben Juden und Muslime zusammengearbeitet? Und was bedeutete das für die europäische Aufklärung?“

Peter Waldmann (l.) und Mustafa Cimşit im Gespräch.
Peter Waldmann (l.) und Mustafa Cimşit im Gespräch. Bildungswerk Maimonides

Peter Waldmann: „Mustafa hatte eines Tages die Idee, mich muslimischen Gemeinden vorzustellen. Bei diesen Gesprächen merkte ich, dass die Befangenheit schnell einer Offenheit wich. Mir wurde klar: Wir müssen kommunikative Räume schaffen, um Vorurteile zu überwinden. Mit dem Bildungswerk tun wir das. Neben ‚Couragiert‘ erarbeiten wir ein weiteres Projekt: Im Rahmen von ‚1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland‘ wollen wir unerzählte Geschichten erzählen. Denn diese 1700 Jahre sind auch geprägt von der Beziehung der Juden in Deutschland zur muslimischen Welt. Das sieht man zum Beispiel an den Synagogen des 19. Jahrhunderts, die oft im maurischen Stil gebaut wurden. Und: Bis 1933 war mehr als jeder fünfte Lehrstuhl der Orientalistik in Deutschland von Juden besetzt. Wir wollen nicht so tun, als wäre das Verhältnis immer bestens gewesen. Aber wir wollen zeigen, dass es ein besonderes Verhältnis ist, das sich oft gewandelt hat – und sich wieder wandeln kann. Die Erinnerungskultur spielt dabei eine entscheidende Rolle: Wie ist Erinnerungskultur möglich in einer multikulturellen Gesellschaft des Jahres 2021? Dazu wollen wir Konzepte entwickeln.“

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