Weltklimakonferenz COP27: „Neues Kapitel in der Klimapolitik“

Erstmals wurde die Einigung auf einen gemeinsamen Fonds zum Ausgleich von Klimaschäden in ärmeren Ländern erzielt. Einige Fragen blieben offen und kontrovers.

Weltklimakonferenz COP27: „Neues Kapitel in der Klimapolitik“
picture alliance/dpa

Sharm el-Sheikh(dpa) - Es ist ein Durchbruch nach jahrzehntelangen Debatten: Die Weltklimakonferenz hat sich erstmals auf einen gemeinsamen Geldtopf zum Ausgleich von Klimaschäden in ärmeren Ländern geeinigt. In ihrer Abschlusserklärung bekräftigten die rund 200 Staaten außerdem ihre frühere Entscheidung, schrittweise aus der Kohle auszusteigen.

Der neue Ausgleichsfonds soll unabwendbare Folgen der Erderhitzung abfedern – etwa immer häufigere Dürren, Überschwemmungen und Stürme, aber auch der steigende Meeresspiegel und Wüstenbildung. Begünstigt werden sollen Entwicklungsländer, die besonders gefährdet sind.

UN-Generalsekretär António Guterres nannte den neuen Fonds für Klimaschäden einen wichtigen Schritt in Richtung Gerechtigkeit. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock erklärte: „Damit schlagen wir ein neues Kapitel in der Klimapolitik auf.“ Es sei ein Prozess angestoßen worden, der dafür sorge, dass auch die Länder, die heute besonders viel Treibhausgase ausstoßen, in die Pflicht genommen werden – obwohl „viele Fragen hier noch offen und kontrovers geblieben sind“, wie Baerbock einräumte.

Zudem sei es gelungen, einen Rückschritt hinter die Ergebnisse der Klimakonferenzen von Glasgow und Paris zu verhindern, und das Ziel zu verteidigen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Sie beklagte aber: „Dass aufgrund der Blockade von einigen großen Emittenten und ölproduzierenden Staaten überfällige Schritte zur Minderung und zum Ausstieg aus fossilen Energien verhindert wurden, ist mehr als frustrierend. Die Welt verliert dadurch kostbare Zeit, Richtung 1,5-Grad-Pfad zu kommen.“

Baerbock bemängelte auch: „Wir Europäer haben uns in der Abschlusserklärung für ein klares Bekenntnis zum weltweiten Ausstieg aus fossilen Energien eingesetzt, dafür gab es viel Unterstützung – aber von einigen wenigen Staaten auch erbitterten Widerstand.“ Aber erstmals sei die zentrale Rolle der erneuerbaren Energien benannt worden. Auch EU-Vizekommissar Frans Timmermans kritisierte die Abschlusserklärung sei „nicht genug als Schritt voran für die Menschen und den Planeten“.

Der geschäftsführende Vorstand von Greenpeace Deutschland, Martin Kaiser, lobte den Beschluss zu Ausgleichszahlungen, mahnte aber an: „Nun müssen die Verursacher der Klimakrise zu ihrer Verantwortung stehen und den neuen Hilfstopf ordentlich befüllen.“

Die nächste UN-Klimakonferenz findet Ende 2023 in den Vereinigtem Arabischen Emiraten statt.