„Ich möchte Teil der Lösung sein“

So nachhaltig leben wie möglich: Tobias Pastoors aus Köln erzählt, auf was er verzichtet und wie er seinen Alltag umweltbewusst gestaltet.

Nachhaltig unterwegs: Tobias Pastoors
Nachhaltig unterwegs: Tobias Pastoors privat/Franziska Schardt

„Knapp zehn Kilometer pro Stunde. Schneller komme ich mit der Waschmaschine im Lastenrad nicht voran. Drei Stunden lang trete ich in die Pedale, um das Gerät von seinem ehemaligen Besitzer in meine Wohnung zu fahren. Im Vergleich mit einem Transporter habe ich mit dem Rad sechs Kilogramm CO2 eingespart. Ein voll beladenes Lastenrad erreicht aber viel mehr als Benzin zu sparen. Man ist damit auf der Straße ein Hingucker, der rollende Beweis, dass eine grüne Welt möglich ist.

Der spinnt, wird sich vielleicht der ein oder andere Passant gedacht haben. Gut möglich. Aber um die ökologische Wende noch zu schaffen, müssen wir alle ein bisschen spinnen, müssen mutig Neues ausprobieren, die Komfortzone verlassen, alte Gewohnheiten und Denkweisen ablegen.

Technik alleine wird uns nicht retten

Um unsere Lebensgrundlagen ist es nicht gut bestellt, und da geht es nicht nur ums Klima: Allein innerhalb eines Jahrzehnts haben wir zuletzt in Deutschland bis zu zwei Drittel unserer Insekten verloren, in den Weltmeeren schwimmen rund 200 Millionen Tonnen Müll, Jahr für Jahr verkleinert sich die weltweite Waldfläche. Wann unser Ökosystem kippt, weiß niemand genau, aber viel Zeit bleibt uns für die Wende nicht mehr.

Um die ökologische Wende zu schaffen, müssen wir alle ein bisschen spinnen.

Tobias Pastoors, Köln

Politisch wird aktuell vor allem mit neuen, grüneren Technologien gegengesteuert. Ob das reicht, ist fraglich. Ein Beispiel: Wenn wir unsere Klimaziele erreichen möchten, dann darf aktuell jeder Mensch pro Jahr zwei Tonnen CO2-Ausstoß verursachen. Laut Berechnungen des Bundesumweltministeriums verbraucht selbst ein Elektroauto im Jahr 2025 noch 101 Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer, rechnet man Produktion und Energiebereitstellung mit ein. Bedenkt man, dass ein deutscher Autofahrer aktuell durchschnittlich rund 12.000 Kilometer im Jahr fährt, wird schnell deutlich, dass allein schon im künftigen E-Auto locker mehr als eine Tonne CO2-Ausstoß pro Jahr steckt.

Was ich tue und was nicht

Ich bin einer von fast acht Milliarden Menschen auf dieser Welt. Was ich tue und was nicht, fällt kaum ins Gewicht. Das demotiviert mich aber überhaupt nicht: Ich möchte Teil der Lösung sein und nicht des Problems. Ich lebe vegan, trage meine Kleidung, bis sie zerfällt, repariere statt zu kaufen, nutze, was andere wegwerfen. Das fällt mir nicht schwer, im Gegenteil. Weil ich wenig konsumiere, muss ich auch nicht viel verdienen und kann meine Zeit recht frei einteilen, mich engagieren, an Projekten arbeiten, die für mich Sinn machen.

Tobias Pastoors
Tobias Pastoors privat/Franziska Schardt

Doch meinen CO2-Ausstoß in Richtung zwei Tonnen zu drücken, erfordert auch Entscheidungen, die ich als Verzicht empfinde: Ich fliege nicht, meide Autos, kaufe Dinge nicht, obwohl ich sie gerne hätte, schreibe diesen Text auf einem ziemlich alten, lahmen Laptop oder strampele mich auf dem Lastenrad ab. Ich möchte meinen Beitrag leisten, unsere Lebensgrundlagen zu erhalten. Und wenn auch nur einer diesen Text liest, oder ein beladendes Lastenrad durch Köln fahren sieht und daraufhin zum Nachdenken kommt, dann habe ich schon viel erreicht.“

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