Kurzarbeit – Konzept gegen Krisen

Pilot, Softwareentwickler, Projektleiter: Die Corona-Krise zwingt viele Arbeitnehmer zur Kurzarbeit. Wir verraten, was daran gut ist.

Drei Betroffene über Ihre Erfahrungen mit Kurzarbeit.
Drei Betroffene über Ihre Erfahrungen mit Kurzarbeit. OFC Pictures - stock.adobe.com

Die Corona-Krise zwingt viele Unternehmen dazu, ihre Beschäftigten in die Kurzarbeit zu schicken. Aber was genau bedeutet das eigentlich? Und wie geht es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die davon aktuell betroffen sind? Wir haben mit drei von ihnen gesprochen.



Was ist Kurzarbeit?

In Deutschland können Unternehmen in Krisenzeiten die Arbeitszeit der Mitarbeitenden reduzieren und Kurzarbeit beantragen. Dann springt der Staat ein: Er übernimmt zwischen 60 und 87 Prozent des fehlenden Nettogehalts.



Johannes (43) arbeitet als Pilot bei einer großen deutschen Airline

„Weil das Flugaufkommen fast vollständig zum Erliegen kam – zeitweise nur 1 Prozent des Aufkommens aus dem Vorjahr –, war ich von Anfang April bis Ende Juni zu 100 Prozent in Kurzarbeit. Es wurde nach Cockpit, Kabine, Bodenpersonal sowie Administrativen unterschieden. Das Ausmaß der Kurzarbeit richtete sich nach der Tätigkeit. Eine Besonderheit als Pilot: Nach einer längeren Zeit in Kurzarbeit können Fluglizenzen ihre Gültigkeit verlieren. Diese müssen dann durch entsprechende Schulungsprogramme sowohl in Theorie als auch in Simulator-Missionen revalidiert werden, bevor ein Pilot wieder Flüge durchführen darf. Ich finde das Konzept Kurzarbeit aber sehr sinnvoll, weil die Firma dadurch Personalkosten kurzfristig signifikant senken kann, ohne dabei Mitarbeiter zu verlieren. Wenn das Flugaufkommen dann wieder steigt, ist eine Reaktivierung relativ kurzfristig möglich, indem die Mitarbeiter aus der Kurzarbeit geholt werden.“

Auch wenn es eine schwierige Umstellung war, bin sehr glücklich über dieses Angebot und hoffe, dass wir die Krise so besser überstehen können.

Alexander, Softwareentwickler

Alexander (30) ist Softwareentwickler bei einem großen deutschen Automobilzulieferer

„Die Automobilindustrie leidet sehr unter der Corona-Krise. Ich arbeite in der Vorentwicklung, meine Projekte laufen also eigentlich wie gehabt weiter, aber wir müssen jeden Moment mit einer Kürzung unserer Forschungsbudgets rechnen. Seit Mitte April ist mein Team deshalb vorsorglich in Kurzarbeit gegangen – an zwei Tagen in der Woche soll/darf/muss ich nicht arbeiten. Auch wenn es eine schwierige Umstellung war, bin sehr glücklich über dieses Angebot und hoffe, dass wir die Krise so besser überstehen können. Für viele meiner internationalen Kolleginnen und Kollegen, die in Indien, den USA oder Mexiko arbeiten, gibt es diese Möglichkeit nicht. Sie müssen mit weniger Gehalt oder im schlimmsten Fall sogar mit einer Entlassung rechnen. Beides ist bisher in unserem Unternehmen noch nicht eingetreten, sorgt aber natürlich langfristig für Unsicherheiten.“

Jens (30) arbeitet als Projektleiter bei einer Messebaufirma

„Das mit Covid-19 einhergehende Verbot von Großveranstaltungen betrifft auch Messen. Da wir zum allergrößten Teil nur in diesem Bereich tätig sind, entfällt uns bis auf Weiteres die Arbeitsgrundlage. Mein Unternehmen hat deshalb bereits Mitte März Kurzarbeit angemeldet. Seitdem beläuft sich der monatliche Umfang auf etwa 70 Prozent Kurzarbeit, wird in den kommenden Monaten aber auf annähernd 100 Prozent ausgeweitet werden. Jeder Angestellte ist davon betroffen. Ich bin sehr froh, dass es diese Möglichkeit in Deutschland gibt. Sie hilft aktuell vielen Unternehmen dabei, einen wesentlich längeren Zeitraum mit verminderten Einnahmen zu überbrücken, ohne dabei zwingend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kündigen zu müssen. Ich denke dabei vor allem an ältere Kollegen, die auf einem übersättigten Arbeitsmarkt vermutlich das Nachsehen hätten.“

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